BabyfinoEN

Die kurze Antwort

  • Ein Video-Babyphone mit eigenem Elterngerät ist einfach und braucht kein Internet. Seine Reichweite ist begrenzt, und welche Verschlüsselung es nutzt, sagen die Hersteller selten.
  • Eine WLAN-Kamera mit Hersteller-Cloud reicht überallhin. Dafür läuft das Video über fremde Server, und bei solchen Kameras haben Sicherheitsforscher seit 2013 wiederholt schwere Lücken gefunden.
  • Eine Ende-zu-Ende verschlüsselte App wie Babyfino reicht ebenfalls überallhin, und niemand dazwischen kann mithören – auch nicht der Anbieter. Dafür braucht sie auf beiden Handys Internet.

Drei Arten, ein Kind zu hören

Vergleich nach Art des Babyphones, Stand Oktober 2026
Babyfino (App, Ende-zu-Ende verschlüsselt)Video-Babyphone ohne WLAN (Funk)WLAN-Kamera mit Hersteller-Cloud
GeräteZwei Smartphones, die ihr meist schon habtKamera und eigenes ElterngerätKamera und App auf dem Handy
ReichweiteKeine Funkgrenze: über WLAN und mobiles InternetBegrenzt durch den Funk; Wände und Decken verkürzen sieÜber das Internet, also auch unterwegs
Ohne InternetNein – beide Handys brauchen WLAN oder mobiles NetzJa, das ist seine StärkeJe nach Modell nur im eigenen WLAN oder gar nicht
VerschlüsselungEnde zu Ende nach offenem Standard (WebRTC); die Schlüssel signieren eure Geräte selbstJe nach Modell; welches Verfahren, sagen Hersteller selten. Frequenzsprung (FHSS) ist keine VerschlüsselungJe nach Hersteller; das Video läuft meist über dessen Server
Wer mithören könnteNiemand außer euren gekoppelten Geräten – auch nicht unser ServerWer in Funkreichweite ist und eine schwache oder fehlende Verschlüsselung ausnutztDer Betreiber der Cloud; bei Sicherheitslücken auch Fremde – mehrfach dokumentiert
Wenn die Verbindung abreißtAlarm auf allen Elternhandys nach etwa zehn SekundenJe nach Modell ein Warnton am ElterngerätJe nach Hersteller eine Mitteilung
Mehrere ElternBeliebig viele Elternhandys, iPhone und Android gemischtEin Elterngerät, je nach Modell erweiterbarMehrere Handys, meist über ein gemeinsames Konto
Licht im KinderzimmerDas Display bleibt schwarzJe nach ModellJe nach Modell
Für Großeltern ohne SmartphoneNicht geeignetGut geeignetNicht geeignet

Ist WLAN unsicherer als Funk?

Nicht das WLAN entscheidet, sondern zwei Fragen: Ist die Übertragung verschlüsselt – und wer außer euch kennt den Schlüssel? Ein Blick auf die Technik, mit dem, was belegt ist, und dem, was nicht.

Analoge Funk-Babyphones

Sie senden unverschlüsselt auf öffentlichen Funkkanälen. Wer in Reichweite ist und einen passenden Empfänger hat – ein Funkgerät oder ein zweites Babyphone –, kann mithören. Ein Hersteller schreibt das selbst in die Anleitung seines analogen Geräts [1].

Digitale Funk-Babyphones (DECT, Frequenzsprung)

Die ursprüngliche DECT-Verschlüsselung war optional, und ihr Verfahren wurde 2010 von Sicherheitsforschern öffentlich gebrochen [2]. Der Standard hat seither stärkere, AES-basierte Verfahren bekommen. Welches ein bestimmtes Babyphone nutzt, geben Hersteller selten an. Bei Video-Babyphones ohne WLAN wird oft der Frequenzsprung (FHSS) hervorgehoben – der schützt vor Störungen, ist aber keine Verschlüsselung; das US-Normungsinstitut NIST nennt seinen Schutz „minimal“ [3]. Einen dokumentierten Fall, in dem ein bestimmtes digitales Funk-Babyphone abgehört wurde, kennen wir nicht.

WLAN-Kameras mit Hersteller-Cloud

Hier sind die Probleme gut belegt. Rapid7 prüfte 2015 neun WLAN-Babyphones: Acht bekamen die Note F, eines ein D; ein häufiger Befund war unverschlüsselt übertragenes Video [4]. SEC Consult fand 2018 bei einer Kamera, dass sich über die App alle verbundenen Geräte ansehen ließen – nach ihrem Stand nicht behoben [5]. Bitdefender fand 2020 und 2022 Lücken, über die Fremde Videos abrufen konnten; die Hersteller haben sie nach eigenen Angaben geschlossen [6]. Das BSI warnte 2021 vor einer Lücke in einer verbreiteten Kamera-Software, die auch Babyphones betraf [7], und die Stiftung Warentest berichtete 2018, Fremde könnten auf die Videos von zwei getesteten Webcams zugreifen [8].

Apps

Auch eine App ist nicht automatisch sicher. Die Universität Münster untersuchte 2023 vier verbreitete Babyphone-Apps für Android: Eine übertrug das Video ganz ohne Verschlüsselung, bei einer war die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung optional und ab Werk aus, bei einer war der Steuerkanal unverschlüsselt. Als vertraulich bewertete die Studie nur die App, die WebRTC nutzt und den Schlüssel der Gegenseite prüft [9] – das Verfahren, auf dem auch Babyfino aufbaut.

Wie Babyfino verschlüsselt

  • Pflicht, nicht Option. Ton und Bild laufen über WebRTC, den Standard für Videotelefonie im Browser. Seine Verschlüsselung (DTLS-SRTP) ist vorgeschrieben und lässt sich nicht abschalten [10].
  • Eure Geräte unterschreiben selbst. Jedes Gerät signiert den Fingerabdruck seines Schlüssels mit seinem eigenen Geräteschlüssel; die Gegenseite nimmt nur Verbindungen von Geräten an, denen sie beim Koppeln vertraut hat. Deshalb kann sich auch unser Server nicht dazwischenschalten.
  • Kein Medienserver. Ton und Bild gehen direkt von Handy zu Handy. Wo das Netz es nicht zulässt, leitet ein Relay (TURN) die Pakete weiter – verschlüsselt, ohne sie lesen zu können [11].
  • Nichts wird gespeichert. Kein Ton, kein Bild, keine Aufnahme liegt auf einem Server. Der Verlauf eures Abends bleibt auf euren Handys.
  • Was unser Server sieht: wann ein Babyphone zuhört, wann ein Alarm kommt und welche Geräte zu eurer Familie gehören – ohne das könnte er euch nicht alarmieren. Die Namen eurer Kinder bekommt er nur verschlüsselt.

Eine unabhängige Sicherheitsprüfung von Babyfino gibt es noch nicht. Mehr dazu, wie Babyphones angegriffen werden und woran du es merkst: Kann ein Babyphone gehackt werden?

Wann ein Video-Babyphone die bessere Wahl ist

  • Wenn es kein zuverlässiges Internet gibt – im Ferienhaus, im Funkloch, im Garten ohne WLAN.
  • Wenn Großeltern oder Babysitter ohne Smartphone aufpassen.
  • Wenn ihr ein eigenes Gerät wollt, das nichts anderes tut und kein Handy belegt.

Achtet dann auf ein digitales Gerät, das seine Verschlüsselung benennt, auf eine Warnung bei Reichweitenverlust und darauf, dass im Kinderzimmer nichts leuchtet. Wie weit Funk-Babyphones reichen und was die Reichweite schmälert, steht unter Babyphone-Reichweite.

Häufige Fragen

Welches Babyphone ist abhörsicher?

„Abhörsicher“ ist kein geschützter Begriff. Belastbar ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nach offenem Standard, bei der nur eure eigenen Geräte die Schlüssel kennen. Bei Funk-Babyphones ist das Verfahren meist nicht angegeben; bei Kameras mit Hersteller-Cloud liegt das Video beim Hersteller.

Kann man ein Babyphone ohne WLAN hacken?

Analoge Babyphones lassen sich mit einem passenden Empfänger mithören; das schreiben Hersteller selbst in ihre Anleitungen. Für digitale Funk-Babyphones mit DECT oder Frequenzsprung ist uns kein dokumentierter Fall bekannt, in dem ein bestimmtes Gerät abgehört wurde. Wer mithören will, muss in jedem Fall in Funkreichweite sein.

Ist ein WLAN-Babyphone grundsätzlich unsicher?

Nein. Unsicher sind Geräte, die Video unverschlüsselt senden, Standardpasswörter behalten oder fremde Server Zugriff auf das Bild geben. Ein Gerät, das Ende zu Ende verschlüsselt und keinen Zugang über eine Cloud braucht, schließt genau diese Wege aus.

Braucht Babyfino WLAN?

Babyfino braucht auf beiden Handys eine Internetverbindung – WLAN oder mobiles Netz. Ohne sie kommen keine Alarme. Reißt die Verbindung des Babyphones ab, alarmiert Babyfino die Elternhandys nach etwa zehn Sekunden.

Nimmt Babyfino auf?

Nein. Babyfino speichert weder Ton noch Bild – weder auf einem Server noch auf den Handys. Auf euren Handys bleibt nur der Verlauf eures Abends: wann euer Kind wach war und wie laut es im Zimmer war.

Quellen

  1. Albrecht: Bedienungsanleitung Bambini 29870 (analog, 446 MHz) (abgerufen am 21.10.2026)
  2. Nohl, Tews, Weinmann: Cryptanalysis of the DECT Standard Cipher, FSE 2010
  3. NIST: SP 800-121 Rev. 2, Guide to Bluetooth Security, 2017
  4. Rapid7: FAQ zur Veröffentlichung der Babyphone-Schwachstellen, 2. September 2015
  5. SEC Consult: Hijacking of arbitrary miSafes Mi-Cam video baby monitors, 21. Februar 2018
  6. Bitdefender: iBaby Monitor M6S, Februar 2020 (behoben), und Nooie Baby Monitor, Februar 2022 (laut Hersteller behoben im April 2022)
  7. BSI: Sicher • Informiert vom 26. August 2021
  8. Stiftung Warentest: Babyphones: Baby-Webcams sind meist unzuverlässig, 23. Januar 2018
  9. Schmidt, Hosseini, Hupperich (Universität Münster): Untersuchung von vier Babyphone-Apps für Android, Journal of Cybersecurity and Privacy 3(3), 29. Juni 2023
  10. IETF: RFC 8827, WebRTC Security Architecture, 2021
  11. IETF: RFC 8656, Traversal Using Relays around NAT (TURN), 2020