BabyfinoEN

Ja, ein Babyphone kann abgehört oder gehackt werden – aber nicht jedes gleich leicht. Analoge Funk-Babyphones senden unverschlüsselt: Wer in Reichweite einen passenden Empfänger hat, hört mit. Bei Babyphones und Kameras mit WLAN und Cloud haben Sicherheitsforscher seit 2013 immer wieder Lücken gefunden, über die Fremde live zusehen konnten. Für DECT- und andere digitale Funk-Babyphones haben wir dagegen keinen dokumentierten Fall gefunden, in dem ein bestimmtes Gerät abgehört wurde.

Kann man ein Babyphone hacken?

Entscheidend ist die Übertragungstechnik – und ob ein Angreifer in deiner Nähe sein muss oder dich über das Internet erreicht.

Technik Was belegt ist Wo ein Angreifer sein muss
Analog (z. B. 446 MHz) unverschlüsselt, mit passendem Empfänger abhörbar in Funkreichweite
DECT alte Verschlüsselung 2010 gebrochen, Standard seither verbessert; kein dokumentiertes Abhören eines Babyphones in Funkreichweite
Digitaler Funk (2,4 GHz, FHSS) Frequenzsprung ist keine Verschlüsselung; kein dokumentiertes Abhören in Funkreichweite
WLAN-Kamera mit Cloud viele dokumentierte Lücken, meist in Cloud und App irgendwo im Internet
Babyphone-App von unverschlüsselt bis Ende-zu-Ende-verschlüsselt je nach App

Analoge Babyphones funken auf frei nutzbaren Kanälen, bei 446 MHz auf denselben wie Walkie-Talkies. Ein Hersteller schreibt es selbst in die Anleitung eines solchen Geräts: „Es ist immer möglich, nicht verschlüsselte analoge Funksignale abzuhören.“ [1]

DECT hatte ursprünglich nur eine optionale Verschlüsselung, deren Verfahren Sicherheitsforscher 2010 öffentlich gebrochen haben [2]. Der Standard bekam seither stärkere, auf AES beruhende Verfahren [3]. Ob ein bestimmtes Babyphone sie nutzt, schreiben Hersteller meist nicht dazu. Ein veröffentlichtes Abhören eines konkreten DECT-Babyphones haben wir nicht gefunden. Ein Werbeversprechen wie „abhörsicher“ sagt allerdings nicht, welches Verfahren ein Gerät nutzt.

Digitale Funk-Babyphones auf 2,4 GHz werben teils mit Frequenzsprung (FHSS), mitunter wird das sogar Verschlüsselung genannt. Das ist es nicht: FHSS schützt vor Störungen; die US-Standardbehörde NIST bescheinigt ihm nur minimale Übertragungssicherheit [4]. Ein dokumentiertes Abhören haben wir auch hier nicht gefunden.

Und ohne WLAN? Dann ist das Babyphone aus der Ferne nicht erreichbar; wer mithören will, muss in Funkreichweite sein [5]. Das ist ein echter Schutz – abhörsicher macht er ein analoges Gerät aber nicht.

WLAN-Babyphones und Kameras mit Cloud sind aus dem ganzen Internet erreichbar, und hier sind die meisten Fälle dokumentiert. Die Lücken steckten meist nicht im Gerät, sondern in Cloud, Servern und App des Herstellers. Und Video, das über die Server eines Anbieters läuft, kann dieser sehen, solange es nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist [6].

Babyphone-Apps sind nicht automatisch sicherer. Die Universität Münster untersuchte 2023 vier beliebte Android-Babyphone-Apps: Eine übertrug Video völlig unverschlüsselt, bei einer war die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung optional und ab Werk aus, bei einer lief der Steuerkanal unverschlüsselt. Nur eine stuften die Forscher als vertraulich ein [6].

Dokumentierte Fälle mit Datum und Stand

Der Stand gilt für die damals untersuchten Geräte, nicht für heutige Modelle derselben Marke.

Jahr Was gezeigt wurde Stand
2013 Eine als Babyphone genutzte Foscam-IP-Kamera in Houston: Ein Fremder beschimpfte darüber ein Kleinkind und seine Eltern [7] Foscam brachte danach eine Firmware, die zum Ändern des leeren Standardpassworts auffordert
2015 Rapid7 prüfte neun WLAN-Babyphones von acht Herstellern: achtmal Note F, einmal D, u. a. fest eingebaute Passwörter und unverschlüsseltes Video [8] Ein Hersteller hatte einen Patch zugesagt; Missbrauch war Rapid7 nicht bekannt
2018 Stiftung Warentest, 17 Babyphones: Bei zwei Webcams hätten Fremde auf die Videos zugreifen können, eine weitere sendete unverschlüsselt [9] Modelle in der Pressemitteilung nicht genannt
2018 miSafes Mi-Cam: Über Fehler in der Cloud ließen sich alle verbundenen Kameras ansehen und steuern (SEC Consult) [10] Nicht behoben (Stand 2018), Hersteller nicht erreichbar
2020 iBaby M6S: Fremde konnten Aufnahmen aus dem Cloud-Speicher laden und live zusehen (Bitdefender) [11] Im Februar 2020 behoben
2021 Softwarebaustein Kalay von ThroughTek, verbaut in Kameras und Babyphones: Wer die Gerätekennung kannte, konnte Live-Ton und -Bild abgreifen [12] Update vorhanden; laut BSI lieferten Hersteller es im August 2021 teils noch nicht aus
2022 Nooie-Babyphone-Kameras: Livestream umleitbar, Aufnahmen anderer Kameras im Cloud-Speicher erreichbar (Bitdefender) [13] Hersteller meldete im April 2022 einen Fix

Wie oft werden Babyphones gehackt? Das weiß niemand, eine repräsentative Statistik gibt es nicht. Die Zahlen, die im Netz kursieren, stammen aus Labortests einzelner Modelle oder aus Zählungen offener Kameras aller Art.

Babyphone gehackt – woran erkennst du es?

Ein Angriff fällt meist nur auf, wenn der Angreifer etwas tut; wer nur zusieht oder zuhört, bleibt in der Regel unbemerkt. Ernst nehmen solltest du:

  • Fremde Stimmen, Musik oder Geräusche aus dem Lautsprecher einer Kamera mit Gegensprechfunktion – so bemerkte es 2013 die Familie in Houston [7].
  • Eine Kamera, die sich von selbst bewegt. Wer die Kontrolle übernimmt, kann sie schwenken oder ausschalten, warnt das BSI [14].
  • Unbekannte Nutzer, geänderte Einstellungen oder Passwörter in der App. Bei einem 2015 untersuchten Modell ließ sich ohne Passwort ein fremder Zuschauer hinzufügen [8].

Kein Beweis für einen Angriff sind dagegen fremde Gespräche auf einem analogen Babyphone: Sie können von einem anderen Gerät auf demselben Kanal stammen, etwa einem Walkie-Talkie [1] – was aber zeigt, dass andere auch dich hören können. Rauschen, Knacken oder Aussetzer allein sagen ebenfalls nichts über einen Angriff.

Babyphone gehackt – was tun?

  1. Trennen: Zieh Netzwerk und Strom ab.
  2. Hinweise sichern: Notiere Uhrzeit und was du gehört oder gesehen hast, mach Screenshots der App – für den Hersteller oder eine Anzeige.
  3. Zurücksetzen und aktualisieren: Setz das Gerät auf Werkseinstellungen zurück und spiel die neueste Firmware ein, bevor du es wieder verbindest [14, 15].
  4. Passwörter erneuern: Gerät, Hersteller-Konto und WLAN bekommen neue, starke Passwörter, die du nirgends sonst nutzt; Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten, wo es sie gibt [14].
  5. Freigaben prüfen: Entferne Nutzer und Geräte, die du nicht kennst.
  6. Router prüfen: UPnP und Portweiterleitungen abschalten, wenn du sie nicht brauchst [15].
  7. Hersteller fragen: Gibt es kein Update oder keine Antwort, nimm das Gerät vom Internet oder ersetze es. Im Fall Mi-Cam riet SEC Consult 2018 ausdrücklich von der Nutzung ab [10].

Babyphone sicher vor Hackern: die Checkliste

Beim Kauf

  • Kein Zugriff von unterwegs nötig? Dann hat ein Funk-Babyphone ohne Internet einen Vorteil: Angreifen kann es nur, wer in Funkreichweite ist [5]. Ein analoges Gerät bietet dabei keinen Abhörschutz.
  • „Abhörsicher“ und „Frequenzsprung“ sind kein Nachweis. Frag, welches Verschlüsselungsverfahren das Gerät nutzt.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Ton und Bild, ab Werk an und nicht abschaltbar – nur dann kann auch der Anbieter nicht zusehen. Ein Werbeversprechen allein genügt nicht: Ein großer Kamerahersteller räumte 2023 ein, dass die beworbene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Webportal fehlte, und stellte um [16].
  • Keine Cloud-Aufnahmen, die du nicht brauchst. Zwei der Fälle oben betrafen gespeicherte Videos.
  • Updates: Liefert der Hersteller Sicherheitsupdates, und wie reagierte er auf gemeldete Lücken? iBaby schloss die Lücke im M6S 2020 binnen 24 Stunden nach der Veröffentlichung, der Mi-Cam-Hersteller war 2018 nicht erreichbar.

Bei der Einrichtung

  • Standardpasswort sofort durch ein eigenes, starkes ersetzen [14, 15]; Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten [14].
  • Automatische Updates einschalten [15].
  • Fernzugriff abschalten, wenn du ihn nicht brauchst; sonst das Gerät in ein eigenes Netz für Smart-Home-Geräte stellen [14].
  • Keine Portweiterleitung, UPnP am Router aus [15]. Eine der 2023 untersuchten Apps öffnete per UPnP selbst Ports am Router [6].

Welche Art Babyphone für dich die sicherere Wahl ist – eine App oder ein Video-Babyphone mit eigenem Funk –, vergleichen wir unter App oder Video-Babyphone.

So geht Babyfino damit um

Babyfino macht ein freies Handy oder Tablet zum Babyphone (siehe Handy als Babyphone). Ton und Bild sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt: Babyfino nutzt WebRTC, dessen Standard die Verschlüsselung DTLS-SRTP vorschreibt – abschalten lässt sie sich nicht [17]. Zusätzlich signiert jedes Gerät den Fingerabdruck seines Schlüssels, sodass auch Babyfinos Server nicht mithören kann. Ton und Bild gehen direkt von Gerät zu Gerät oder über einen Relay-Server, der nur verschlüsselte Daten sieht, und werden auf keinem Server gespeichert. Gekoppelt wird per QR-Code, ein Konto gibt es nicht.

Was das nicht abdeckt: Der Server sieht Metadaten wie Verbindungszeiten, keine Verschlüsselung schützt ein Handy, das selbst kompromittiert ist, und extern geprüft wurde Babyfino noch nicht. Babyfino erscheint bald für iPhone und Android.

Quellen

  1. Albrecht: Bedienungsanleitung Bambini 29870 (über Conrad), ohne Jahr (abgerufen am 21.10.2026)
  2. Nohl, Tews, Weinmann, FSE 2010: Cryptanalysis of the DECT Standard Cipher (Folien), 2010 (abgerufen am 21.10.2026)
  3. Erik Tews, TU Darmstadt: DECT Security Analysis (Dissertation), Kapitel 9, 2012 (abgerufen am 21.10.2026)
  4. NIST: SP 800-121 Rev. 2, Guide to Bluetooth Security, 2017, aktualisiert 2022 (abgerufen am 21.10.2026)
  5. Malwarebytes: Baby monitor safety: What you need to know, 2023 (abgerufen am 21.10.2026)
  6. Schmidt, Hosseini, Hupperich (Universität Münster), Journal of Cybersecurity and Privacy: Assessing the Security and Privacy of Baby Monitor Apps, 2023 (abgerufen am 21.10.2026)
  7. NBC News: Hacker attempts to harass toddler through baby monitor, 2013 (abgerufen am 21.10.2026)
  8. Rapid7: Internet-Connected Baby Monitor Security Research – FAQ, 2015 (abgerufen am 21.10.2026)
  9. Stiftung Warentest: Babyphones: Baby-Webcams sind meist unzuverlässig, 2018 (abgerufen am 21.10.2026)
  10. SEC Consult: Hijacking of arbitrary miSafes Mi-Cam video baby monitors, 2018 (abgerufen am 21.10.2026)
  11. Bitdefender: Severe Vulnerability in iBaby Monitor M6S Camera Leads to Remote Access to Video Storage Bucket, 2020 (abgerufen am 21.10.2026)
  12. BSI: Newsletter „Sicher • Informiert“ vom 26.08.2021, 2021 (abgerufen am 21.10.2026)
  13. Bitdefender: Vulnerabilities Identified in Nooie Baby Monitor, 2022 (abgerufen am 21.10.2026)
  14. BSI: Smarte Überwachungskamera, ohne Jahr (abgerufen am 21.10.2026)
  15. National Cyber Security Centre (UK): ‘Smart’ security cameras: Using them safely in your home, 2020 (abgerufen am 21.10.2026)
  16. MacRumors: Anker Admits Eufy Cameras Did Not Offer End-to-End Encryption as Promised, 2023 (abgerufen am 21.10.2026)
  17. IETF: RFC 8827 – WebRTC Security Architecture, 2021 (abgerufen am 21.10.2026)